©  (c) Lars Wehrmann
©  (c) mail@larswehrmann.de, Lars Wehrmann
©  CC BY mail@larswehrmann.de, Lars Wehrmann
©  (c) mail@larswehrmann.de, Lars Wehrmann
©  (c) mail@larswehrmann.de, Lars Wehrmann
Lade

Kultur und Geschichte auf Juist

Die erste Station und damit euer Startpunkt ist das Haus Siebje am Januspark. Das alte Insulanerhaus wurde in detailreicher Kleinarbeit vom Heimatverein Juist renoviert, gehegt und gepflegt. Vielen Spendern ist es zu verdanken, dass das Haus Siebje heute so schön renoviert ist. Im Inneren des Gebäudes befindet sich das schnuckelige Geschäft Elfember, in dem Inhaberin Beate Striewe handgefertigte Produkte verkauft. Die obere Etage des charmanten Häuschens bietet einerseits dem Archiv des Heimatvereins Platz, andererseits werden die Räumlichkeiten an ausgewählte Künstler vermietet, die dort ihre einzigartige Handwerkskunst präsentieren. So treffen Geschichte und Moderne aufeinander. Wenn ihr vor dem Haus Siebje steht, könnt ihr euch leicht in die Vergangenheit zurückversetzen und euch vorstellen, wie es auf Juist noch vor knapp einhundert Jahren ausgesehen haben muss.
Ihr folgt der Straße ein kleines Stück weit und schon bald seht ihr das heutige Dorfgemeinschaftshaus, eure nächste Station. Früher war hier die Schule der Insel zu finden. Damals wurden kleine Gruppen an Schülern klassenübergreifend unterrichtet. Der Lehrer selbst hat wohl im gleichen Haus gelebt, in dem auch die Schule untergebracht war. Heute sind im Dorfgemeinschaftshaus diverse Räume zu finden, in denen Vereine sich treffen, Gemeinderatssitzungen stattfinden und gemeinsame Aktionen wie zum Beispiel Bastelabende stattfinden.
Ihr wendet euch zurück und lauft in Richtung des Haus Siebje, aber noch ein Stück weiter, sodass ihr vor dem Alten Warmbad anhaltet. Hier, wo heute das Ordnungsamt sowie das Standesamt sitzen, war früher ein ganz anderes Programm angesagt: Passend zum Namen wurde im Alten Warmbad gebadet. 1899 erstmalig in Betrieb genommen, wurde erst Wasser aus dem Watt, danach frisches Nordsee-Wasser in das Gebäude geleitet, damit die Gäste dort ein tolles Bade-Erlebnis genießen konnten. Diverse Badetherapien konnten so im Warmbad stattfinden, die von den Gästen sehr geschätzt wurden. Als 1970 allerdings das Meerwasser-Erlebnisbad eröffnet wurde, wurde das heutige Alte Warmbad zunehmend für die Gemeindeverwaltung genutzt. 
Am Alten Warmbad geht ihr dann hoch auf die Düne (na ja, was so als „hoch“ bezeichnet wird im flachen Ostfriesland) und wendet euch nach rechts, bis ihr den Wasserturm erreicht habt. 1928 fertig gestellt, war der Wasserturm einst der zentrale Teil der Wasserversorgung auf der Insel, heute jedoch ist der Wasserturm nicht mehr ganz so wichtig, um das Wasser auf Juist zu verteilen. Mit 13 Metern Höhe und der Lage auf der knapp 30 Meter hohen Düne, ist der Wasserturm der höchste Punkt der Insel. Im Inneren befindet sich ein riesiges Wasserbecken, das durch Druckaustausch der Wasserverteilung hilft. Übrigens: Der Wasserturm wird auch liebevoll „Doornkaartbuddel“ genannt, da seine Form der Bierflasche ebendieser Marke ähnelt.
Weiter geht’s für euch zum Strandhotel Kurhaus Juist, dem „Weißen Schloss am Meer“. Sicher erkennt ihr, woher dieser Name kommt. Das Hotel selbst steht seit über einhundert Jahren wunderbar exponiert auf der Juister Düne. Wo früher die feine Gesellschaft des Deutschen Kaiserreiches übernachtet hat, findet man heute liebevoll restaurierte Hotelteile vor, die genau die richtige Mischung aus alt und neu zelebrieren. 
Im Anschluss schreitet ihr, vom adligen Ambiente des Kurhotels angetrieben, die Strandstraße hinunter, bis ihr den Alten Bahnhof erreicht habt. Bis 1936 endete an dieser Stelle die Inselbahn, die fleißig und verlässlich die Gäste vom früheren Hafen im Westen ins Dorf gebracht hat – mitsamt Koffern, Kindern und Kegeln. Heute wird das Gelände als Restaurant genutzt. Der Alte Bahnhof ist zwar nicht als Denkmal offiziell geschützt, aber dennoch soll er in seiner bisherigen Form, wenn möglich, erhalten bleiben, sodass sich noch viele Gäste und Insulaner an der Architektur erfreuen können. Vom Alten Inselbahnhof aus könnt ihr bereits den Leuchtturm Memmertfeuer sehen – was auch nicht so schwer ist, schließlich steht der Leuchtturm relativ frei am Hafen. Früher hat der Leuchtturm noch seine angestammte Arbeit auf der Vogelschutzinsel Memmert erledigt (daher der Name, logisch), sollte aber 1986 verloren gehen. Dem Engagement und den Spenden einiger Juister ist es zu verdanken, dass der Leuchtturm Memmertfeuer sein Zuhause auf Juist gefunden hat, wenn auch nicht als wirklicher Leuchtturm, der Schiffen den Weg weist, sondern eher als Erinnerung an frühere Zeiten.
Ab jetzt würde es Sinn machen, sich aufs Fahrrad zu schwingen. Aber wenn ihr Zeit und Lust habt und bequeme Schuhe tragt, wollen wir euch natürlich nicht vom Laufen abhalten. Genießt die Fahrt an der wunderbaren Kulisse Juists entlang. Ihr haltet an der Jugendherberge. Früher befand sich hier mal eine Schule mit eigenem Theater. In den 1930er-Jahren allerdings wurde die Theater-Tradition auf Juist gebrochen. Heute erinnert nicht mehr viel an die lange Geschichte der Bauten, aber mit einem guten Buch in der Hand (z.B. von Sandra Lüpkes oder Anne Prettin, die beide über Juist in der Vergangenheit schreiben), lässt sich die Vorstellungskraft gut beflügeln.
Dann steht euch noch ein letzter Halt bevor. Es geht ins Loog zum Inselmuseum. Welche Tour zum Thema Geschichte wäre denn sonst vollständig? Im ehemaligen Küstenmuseum werden euch nach der Neukonzeption weiterhin viele spannende Objekte gezeigt, die das Leben auf Juist in vergangenen Zeiten wiederaufleben lassen.