Juist Blog
Stefan Danzer und sein Stellvertreter Joel kochen Slow Food im Achterdiek.

Slow Food Tage auf Juist – Nachhaltigkeit lässt sich erleben oder in diesem Fall auf den Teller bringen

Gesunde, nachhaltige, regional erzeugte Lebensmittel sind nicht nur die Grundlage für Slow Food. Sie sind eine einfache Möglichkeit, euer Leben gesünder und umweltverträglicher zu gestalten. Es ist nicht nötig, Kartoffeln aus Ägypten zu kaufen. Denn diese werden tausende Kilometer mit dem Schiff, dem Flugzeug und dann noch per LKW zu uns in die Läden gebracht. Mit regional erzeugter Nahrung können wir also der Umwelt, unserem Körper und damit auch unserer Seele so viel Gutes tun

Was liegt für unsere nachhaltige Insel näher, als dieser Bewegung eine Plattform zu bieten. Wir freuen uns, dass dieses Jahr am 07. und 08. September zum ersten Mal die Slow Food Tage auf Juist stattfinden. 17 Restaurants zaubern für euch leckere Köstlichkeiten mit Produkten aus einem ca. 100 km weiten Radius um Juist herum.

stellvertretender Küchenchef Joel erntet Kräuter im Garten vom Achterdiek
stellvertretender Küchenchef Joel erntet Kräuter im Garten vom Achterdiek

Ein ständiges Zuhause hat Slow Food auf Juist im Hotel Achterdiek. Im hoteleigenen Restaurant Danzer’s, das Slow Food Unterstützer ist, zaubert Inhaber und Küchenchef Stefan Danzer (Gourmetkoch für Vollwerternährung UGB) mit seinem Team für euch das ganze Jahr über Slow Food Kreationen auf die Teller. Wenn so ein Experte in meiner Nachbarschaft wohnt, dann lasse ich mir am besten von ihm erklären, was die Besonderheiten sind und wann ein Gericht überhaupt Slow Food ist.

 

Warum ist es auf Juist logistisch schwerer an Lebensmittel zu kommen? Wie funktioniert das überhaupt, dass du frische Lebensmittel ins Restaurant bekommst?

Unsere Logistik auf Juist ist sicher schwieriger und auf jeden Fall teurer. Wir müssen immer schauen, Lieferanten zu bündeln, um günstigere Frachtsätze zu bekommen. Deshalb brauchen wir Partner, die mehrere kleine Prozenten gebündelt an uns verschicken können. Die Firma Igro Schmidt ist hier in Ostfriesland Vorreiter, sie übernehmen diesen Job für uns. Was noch fehlt, wäre ein „Produkt-Scout“, der durch Ostfriesland fährt und schaut, was alles produziert wird und was für die Inselgastronomie toll sein könnte.

Sehen diese Heidelbeeren nicht lecker aus?
Sehen diese Heidelbeeren nicht lecker aus?

Wann ist etwas wirklich Slow Food? Was für Bestimmungen müssen unbedingt eingehalten werden?

Es muss nicht zwingend Öko oder Bio sein, nicht jeder kleine Hof kann sich zertifizieren lassen. Wichtig sind kurze Transportwege und Förderung heimischer Produkte. Das Tierwohl sollte natürlich absolut im Mittelpunkt stehen. Für eine kreative, gesunde und leckere Verarbeitung sind dann wir verantwortlich.

Von wo aus Ostfriesland kommen denn eure Produkte? Besuchst du die Bauernhöfe auch mal selbst, um dir anzusehen wo dein Gemüse und Fleisch genau herkommt?

Soweit mir das möglich ist, versuche ich, in der Vor- und Nachsaison Produzenten zu besuchen. Leider ist man mit der Tideabhängigkeit und der Eingebundenheit im eigenen Betrieb zu wenig unterwegs. Deshalb mein Vorschlag Produkt-Scouts zu haben, denen man vertraut, um immer mehr gute, heimische Produkte zu bekommen.

Heute bekommen wir bereits:

  • Bäckere Grünhoff: Brot, Brötchen, Baguette Stangen aus Norddeich 13 km
  • cafe Ten cate: Schwarzbrot aus Norden 16 km
  •  Fokken & Müller: Matjes, Sauerfisch, Marinaden aus Emden 40 km
  • Fleischerei Eckhoff: Wurstwaren, Rustikale Schmierwürste aus Moormerland 50 km
  •  Biolandhof Agena: Obst und Gemüse aus Schoonorth 25 km
  •  Thiele Tee Ostfriesentee und sonstige Teesorten aus Emden 40 km
  •  Langeooger Kaffeemanufaktur: alle Kaffeesorten und Espressobohnen nach eigener Mischung von der Insel Langeoog 30 km
  •  Langeooger Gin Company: diverse Ginsorten, unter anderem unseren eigenen Quittengin von der Ostfriesischen Insel Langeoog 30 km
  • Bauer Blähr: Kleikartoffeln aus Wybelsum 40 km
  •  Käsehof Pilsum: Käse in Pilsum 22 km
  •  viele Dinge in eigener Produktion: Marmelade, Feigensenf, kaltgeräucherter Lachs,
    Stremellachs, Sauerteigbrot, Weizensauerteig-Baguettes, Bratwürste, „Juister Seeluftschinken
Auf diesen Rollcontainern kommt die frische Ware an.
Auf diesen Rollcontainern kommt die frische Ware an.

Wie steht denn die Slow Food Bewegung zu Produkten, die nicht im Umkreis von 100 bis 150 km wachsen wie Kaffee, Kakao und vielen weiteren leckeren Sachen?

Slow Food soll den Genuss nicht reglementieren, sondern zu bewussterem Genießen anregen. Bei Produkten die Schokolade, Kaffee, Gewürzen und Tee, die bei uns nicht produziert werden können, achten wir auf einen fairen Handel. Die Veredelung sollte dann schon in unserer Nähe stattfinden. Ein gutes Beispiel ist unser Kaffee aus der Inselrösterei Langeoog.

Gibt es überhaupt extra Slow Food Rezepte oder kann man alles zu Slow Food machen?

Der Kreativität sind keine Grenzen gesetzt, da wir das ganze Tier „nose to tail“ verarbeiten wollen, kommt viel Schmoren oder Sous-vide (Vakuumgaren) als Zubereitungsweise zum Einsatz. Außerdem sind die Anrichteweise und Präsentation wichtig. Du musst direkt erkennen, dass es frische und gesunde Küche ist – „leicht und sexy“.

Was ist euch besonders wichtig im Umgang mit euren Produzenten?

Wir gehen partnerschaftlich mit unseren Lieferanten und Produzenten um, der Preis ist nicht das letzte Entscheidungskriterium. Wir halten uns an die Natur gegebenen Saisonzeiten, man muss zu Weihnachten keinen Spargel und Erdbeeren haben. Eine Bündelung von Logistik spart Energie und Geld. Nachhaltigkeit ist hier ein wichtiges Kriterium.

frische Beeren und Minze
so lecker

Was können wir uns im Danzer’s denn Besonderes schmecken lassen?

Wir denken immer darüber nach, welche Veredelungen wir selbst bewerkstelligen können. Das macht uns als Köchen Spaß, da können wir immer wieder neu kreativ werden. Wir sind sicher, unsere Gäste lieben den Unterschied zu immer gleich schmeckenden Industrieprodukten. Unser letztes Projekt ist selbst gemachter Schinken, warum sollen nur die Norderneyer „ihren“ Schinken haben?

Was wir auch zu 100 % selbst machen, aus guten und ehrlichen Zutaten ohne Zusatz von jeglichen Geschmacksstoffen, Stabilisatoren und Bindemitteln, ist unsere komplette Auswahl an Eis und Sorbets. Viel weniger süß als Industrieeis und viel weniger „Luft“.

Unsere Leser würden sich sicher freuen, wenn sie Rezepte von dir zum Nachkochen bekommen könnten. Verraten Köche ihre Rezepte?

Natürlich, sogar sehr gerne.

Kalbsgulasch
lecker

Wow, also ich habe eine Menge gelernt und ich bin auch ganz begeistert vom Blick hinter die Kulissen im Achterdiek. Die Rezepte, auch das Rezept vom leckeren Kalbsgulasch mit Brezenknödeln und Weißkohlrauten hier auf den Fotos, erscheint demnächst hier auf dem Blog. Stefan hat mir sogar noch ein weiteres Rezept verraten. Es wird lecker auf dem Juist Blog.

Seid ihr jetzt auch so neugierig auf die Slow Food Tage am 07. und 08. September wie ich? Von allen teilnehmenden Restaurants habe ich euch unten die Adressen, Telefonnummern und Links aufgeschrieben, dann könnt ihr euch einen Tisch für die Slow Food Tage reservieren. Mal sehen, vielleicht verraten mit die Köche, was sie Besonderes für die Slow Food Tage kreieren. Sobald ich mehr weiß, erfahrt ihr das hier auf dem Blog.

Wer an den Slow Food Tagen auf Juist teilnimmt, bekommt im Restaurant einen Gewinnspielcoupon. Den könnt ihr einfach ausfüllen und direkt vor Ort abgeben. Zu Gewinnen gibt es den „Slow Food Genuss Führer Deutschland“. Mit diesem Buch wisst ihr immer genau, wo gesundes, nachhaltiges Essen auf den Teller kommt.

Hier findet ihr alle Informationen rund um die Slow Food Tage auf Juist. Natürlich erfahrt ihr auf www.juist.de auch, welche Restaurants bei den  Slow Food Tagen auf Juist mitwirken:

Slow Food Tage 2019

Genussinsel Juist

Danzer’s feines Achter’n Diek

 

Anna auf Juist

Anna lebt und liebt Juist. Als neu Insulanerin entdeckt sie mit dir die Geheimnisse der Nordseeinsel. Lasst euch mit ihr vom Töwerland verzaubern.

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Juister Weihnachtsgrüße