Juist Blog
KlimaInsel Juist Zukunftswerkstatt

KlimaInsel Juist – Forscher zu Gast auf dem Töwerland

Wir verfolgen auf Juist das ehrgeizige Ziel, 2030 klimaneutral zu sein. (Spiegelartikel zur KlimaInsel Juist)  Mit diesem Projekt sind wir Vorreiter in Deutschland und möchten auf unserer kleinen Insel Wege entwickeln, die dabei helfen, unseren Planeten zu schützen. Ein derart ehrgeiziges Ziel ist nicht leicht zu erreichen. Deswegen laden wir uns immer wieder Fachleute und Forscher auf die Insel ein, die uns mit den neuesten Erkenntnissen rund um das Thema Nachhaltigkeit versorgen.

Durchaus verständlich ist, dass viele Menschen auf Juist dieses Projekt kontrovers diskutieren. Denn wer vor dem Problem steht, auf Juist eine bezahlbare Wohnung zu finden, der interessiert sich in diesem Moment wenig für den Klimawandel. Deshalb haben wir zusammen mit der SRH Dresden die Zukunftswerkstatt „KlimaInsel Juist“ organisiert. Im Rahmen dieser Veranstaltung konnten alle ihre Bedenken, Sorgen, Nöte und Visionen zum Thema „KlimaInsel“ einbringen. Tanja, eine Studentin der SRH Dresden, hat für uns ihre Eindrücke der Zukunftswerkstatt und ihres Besuchs auf Juist aufgeschrieben.

Mission „KlimaInsel Juist“ – als Forscher zu Gast auf dem Töwerland

Als wir steifbeinig von der langen Fahrt von der Fähre klettern, vermissen wir begrünte Dächer, Plastik-Scanner und automatische Berechnung unseres CO2-Fußabdruckes kaum. Stattdessen fühlen wir uns durch frische Nordseeluft, die charmanten Backsteinhäuser und fleißige Radler, die uns auf dem Weg zu unserer Pension beiseite klingeln, sofort heimisch. Enttäuschender erster Eindruck? Keineswegs! Vielmehr sind wir gespannt, die „KlimaInsel“ live zu entdecken, nachdem wir sie über Monate hinweg rein theoretisch im Seminar untersucht haben.

„KlimaInsel Juist – ist das gut oder kann das weg?“

Unsere Mission auf Juist ist, eine Zukunftswerkstatt zum Thema „KlimaInsel“ durchzuführen. Was nach Basteln, Gedankenspielen und Sitzkreisen klingt, ist ein professionelles Format zur Generierung von innovativen Ideen und Lösungsvorschlägen. Denn mit der „KlimaInsel“, gibt es vor allem ein Problem: Sie spaltet die Inselgemeinde. Und egal, wer was davon hält, zwei Fragen stehen jedem ins Gesicht geschrieben, den wir zu unserer Werkstatt einladen: Was soll das denn überhaupt sein? Und was habe ich davon? Wir wollen Insulaner, Gäste und Unternehmer an einen Tisch bringen, damit sie sich ihre eigene Vorstellung der „KlimaInsel Juist“ erarbeiten.

KlimaInsel Juist Zukunftswerkstatt

Bestandsaufnahme: Der Nachhaltigkeit auf der Spur

Vorerst gilt es allerdings, uns selbst einmal ein Bild von Juist zu machen. Ein „anderes Mobilitätserlebnis“ hat unsere Professorin uns im Fach-Sprech angekündigt. Und tatsächlich: Statt knatternder Motoren ist auf Juist Hufgeklapper allgegenwärtig, ab und zu muss man einem Fahrrad ausweichen und nur ganz selten schleicht einmal das Motor-Vehikel vom Deutschen Roten Kreuz vorbei. Und dann natürlich nur aus gutem Grund.

Es tut sich was in Sachen Nachhaltigkeit

Auf dem Weg zum Frühstück springt uns das Werbeplakat für Mehrwegbecher an, für die sich unsere Wirtin stark macht. Butter und Marmelade werden im Haus Seemannstreu seit Jahren verpackungsfrei serviert. Später entdecken wir den „Klimapartner“-Sticker an der Tür des Postkartenlädchens. Vereinzelt glitzern im Sonnenlicht sogar Solarzellen von den Dächern. Mit dem Pferdefuhrwerk im Vordergrund wird sogar ein tolles Fotomotiv daraus: Tradition und Moderne in einem Bild!

Klar wird auch: Die Bewohner lieben ihr Töwerland. „Für Juist tu‘ ich alles“, sagt uns einer, der vom Stichwort „Klima“ gar nichts wissen will. „Ich bin ja von hier und kenne mich aus“, meint ein anderer stolz, als er uns den kürzesten Weg zum Strand zeigt.

Klimadebatte versus Alltagsprobleme

Auf der einen Seite erfahren wir von Klima-Radtouren und Schutzgebieten für Zugvögel, die auf ihren langen Reisen eine Snack-Pause im Wattenmeer einlegen. Auf der anderen Seite spüren wir, dass die Bewohner genervt sind von der Klimadebatte. Viel lieber als einen Unverpackt-Laden hätten sie eine vernünftige Lösung zur problematischen Wohnraum-Situation auf Juist. Wir fragen uns: Kann man von den Leuten verlangen, dass sie mit Leib und Seele für Nachhaltigkeit brennen, wenn ihre Kinder aus Wohnungsnot die Insel verlassen müssen?

Klagen, phantasieren, verwirklichen – Nachhaltigkeit die Chance, sich am Markt hervorzuheben

Nach der Begrüßung durch den Bürgermeister, einem Vortrag unserer Professorin Prof. Dr. rer. nat. Ines Lolo Britta Carstensen (Professorin für Nachhaltigkeits- und Innovationsmanagement) über die Vorteile, die Juist durch die starke Positionierung „KlimaInsel“ erwartet und einigen Anregungen zum Thema „KlimaInsel“ von uns, wurden die Workshop Teilnehmer an die Thementische in Gäste, Bewohner und Unternehmer verteilt.

Nachdenklich und ziemlich aufgeregt starten wir unsere Zukunftswerkstatt mit einem Assoziationsspiel zum Begriff „KlimaInsel“. Neben „Naturschutz“ und „Stille“ fallen auch Wörter wie „Augenwischerei“, und wir fragen uns etwas nervös, wie kontrovers die Diskussion heute noch werden wird.

An den Tischen arbeiten die Gruppen sehr konstruktiv: Zunächst wird gejammert und geklagt, was das Zeug hält. Wir wollen als Ausgangspunkt untersuchen: Was läuft bisher verkehrt mit der „KlimaInsel“? Ein paar Minuten später wird es spannend: In der Utophiephase dürfen sich Gäste, Insulaner, Unternehmer und sogar der Bürgermeister ihr Juist 2030 bauen.

KlimaInsel Juist Zukunftswerkstatt

Utophiephase – think big

Sind zugekaufte Grundstücke auf dem Festland die Lösung zur Erzeugung regionaler Lebensmittel? Was können wir tun, um die Identität Juists zu bewahren und Traditionen zu pflegen? Ist Nachhaltigkeit die Chance, sich am Markt hervorzuheben? Wie kann die Insel plastikfrei werden? Welche Rolle soll der Nationalpark zukünftig spielen?

Vision der „KlimaInsel Juist“

Am Ende der Werkstatt stellt jede Arbeitsgruppe ihre Vision der „KlimaInsel“ vor. Wir staunen nicht schlecht über die Kreativität und Offenheit der Teilnehmer – Juist birgt ungeahntes Potenzial in Sachen innovativem Denken! „Energetische Nutzung von Klärschlamm“ lautet zum Beispiel ein Vorschlag zur zukünftigen Energiepolitik. Manche sind etwas mehr auf dem Teppich geblieben und wünschen sich bessere Freizeitangebote für Kinder und Familien – egal, ob Einheimische, Stammgäste oder Ersturlauber.

Die „KlimaInsel Juist“ das Paradebeispiel, wie Nachhaltigkeit mit Tourismus und Marketing vereinbart ist

Vorsichtig denke ich, dass einen Kompromiss aus all diesen Interessen zu finden nicht leicht sein wird. Ein wichtiger Schritt ist aber getan: Wer bisher nicht mit der Strategie „KlimaInsel“ abgeholt wurde, hat eine Stimme bekommen. Gemeinsam könnten alle Juist-Liebhaber das Projekt zu einem weltweiten Paradebeispiel dafür machen, wie Nachhaltigkeit mit Tourismus und Marketing vereinbart werden kann. Wir sind gespannt, wann es soweit ist.

Fürs Erste verabschieden wir uns von Juist und blicken der Insel hinterher, als sie am Horizont im Meer versinkt. Manch einer denkt sich sicher: Bis bald, kleines Töwerland. Ich komme wieder!

KlimaInsel Juist Zukunftswerkstatt

Diesen Artikel hat die liebe Tanja als Gastautor für uns verfasst. Sie studiert an der SRH Hotel-Akademie Dresden.

Tanja über ihren Studiengang: „Unser Studiengang heißt „Internationales Tourismus- und Eventmanagement“, im Prinzip ist es ein sehr stark auf die Tourismusbranche spezialisiertes Wirtschaftsstudium. Mich fasziniert daran immer wieder, wie vielfältig Reisen und Reiseziele weltweit sind und welch große wirtschaftliche Bedeutung – aber auch Verantwortung – der Tourismus mit sich bringt. Auf das internationale Tätigkeitsfeld freue ich mich. Denn ich bin unglaublich gern unterwegs. Auf jeder Reise lerne ich, die Welt neu zu betrachten.“

Fahrradtour zur Nachhaltigkeit

Anna auf Juist

Anna auf Juist

Anna lebt und liebt Juist. Als neu Insulanerin entdeckt sie mit dir die Geheimnisse der Nordseeinsel. Lasst euch mit ihr vom Töwerland verzaubern.

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