Juist Blog
Aquarell Maler Juist Studio Güst

Auf dem Deich mit Friedrich Fäsing

Wir sind schon ein bunt zusammengewürfelter Haufen auf Juist. So viele Insulaner sind hier gestrandet und heute einfach nicht mehr wegzudenken. So auch unser Inselmaler Friedrich Fäsing mit seinem Studio Güst. Hunderte Inselmotive könnt ihr als Druck oder als handgemaltes Aquarell in seiner Galerie bewundern und natürlich auch mit nach Hause nehmen. Auf Juist zu malen ist für ihn nicht nur ein Beruf, sondern eine Berufung. Er hat sich ganz bewusst für ein Leben als freier Kreativer und gegen einen Bürojob entschieden. Lest nach, was mir Friedrich auf dem Deich über sein Studio Güst und das Leben auf der Zauberinsel erzählt.

Wie würdest du Juist in einem Satz beschreiben?

Juist ist die Ruhe selbst.

Was ist dein Lieblingsplatz auf der Insel und warum?

Sonntags morgens im Baumanns ganz hinten links. Dort sitze ich, trinke einen Kaffee und werfe einen Blick in die Zeitung. Da bin ich ganz für mich und genieße den Anfang von meinem freien Tag.

Wie sieht dein Alltag aus?

Ich stehe morgens auf und gehe in meine Galerie. Dort bereite ich alles so vor, dass meine Kunden sich wohlfühlen können. Während den Geschäftszeiten kann ich nicht wirklich malen, denn gerade beim Aquarellieren ist es wichtig, dass ich nicht unterbrochen werde. Oft ist es nötig, zügig zu arbeiten, damit die Farben nicht eintrocknen und ich schöne Übergänge gestalten kann. Deshalb sind tagsüber meist Arbeiten wie Passepartouts schneiden, Bilder rahmen und die Buchhaltung dran. Am liebsten berate ich meine Kunden bei der Auswahl eines Bildes.

Seit mein Geschäftsraum im Haus des Kurgastes ist, bin ich auch eine inoffizielle Außenstelle der Touristinformation. Kaum zu glauben, wie viele Gäste mich fragen, wann am Abend ein Konzert beginnt, ob sie bei mir den Kurbeitrag zahlen können oder wo die nächste öffentliche Toilette zu finden ist. Natürlich beantworte ich jede Frage gerne, aber oft weiß ich die Antwort einfach nicht.

Nach Geschäftsschluss beginnt meine eigentliche Arbeit — das Malen. Oft versinke ich bis 24:00 Uhr in meinen Bildern. Schön ist, dass auf meinem Heimweg eigentlich immer die gleichen Menschen meinen Weg kreuzen. Denn viele Servicekräfte und Köche machen ebenfalls erst in der Nacht Feierabend. Da schnacken wir meist noch ein paar Sätze.

 

Aquarell Maler Juist Studio Güst

Was ist dir am wichtigsten hier?

Es ist mir ein großes Anliegen, dass endlich reagiert wird und bezahlbarer Wohnraum für Juister, Insulaner und Arbeiter geschaffen wird. Seit zehn Jahren lebe ich auf der Insel. Von Anfang an war ein großes Problem, dass viele Arbeiter gerne auf der Insel bleiben würden, aber keine bezahlbaren Wohnungen finden. Da sollte dringend umgedacht und gehandelt werden.

Ist Leben auf Juist wie im Urlaub oder doch ganz normal?

Auf jeden Fall nicht wie im Urlaub! Durch den Umzug meiner Galerie ins Haus des Kurgastes habe ich es diesen Sommer nicht einmal geschafft, im Meer schwimmen zu gehen.

Was liebst du am meisten an der Insel?

Die Ruhe – nicht nur die äußerliche, Juist hat mir auch innere Ruhe geschenkt.

 

Aquarell Maler Juist Studio Güst

 

Kennst du Fernweh? Wohin würdest du gerne einmal reisen?

Fernweh ist mir, seit ich auf Juist lebe, völlig fremd. Ab und zu zieht es mich nach Norden in den Baumarkt. Wenn ich wirklich verreise, etwa um meine Familie zu besuchen, dann habe ich sehr schnell großes Heimweh nach Juist.

Wie oft warst du am Strand in der letzten Woche?

Tatsächlich zweimal. Allerdings waren beide Besuche beruflich. Zurzeit entwerfe ich ein neues Schmuckblatt (ein Schmuckblatt ist ein Blatt, auf dem mehrere kleine Bilder zu einem Thema kombiniert werde) nur für den Ortsteil Loog. Dazu bin ich einmal am Morgen und ein zweites Mal am Abend über den Stand ins Loog gelaufen. Um die unterschiedlichen Lichtstimmungen einzufangen. Vor dem Malen mache ich immer Fotos, damit ich später eine Vorlage zum Arbeiten zu haben.

Was sollte man auf Juist nicht verpassen?

Einen Besuch in der Domäne Bill, dort ist es wunderbar gelungen, Tradition mit Moderne zu verknüpfen. Das Essen ist lecker und der Ausblick aufs Wattenmeer herrlich.

Was ist dein Lieblingsessen und wo bekommst du es auf Juist?

Labskaus – am liebsten im Hafenrestaurant.

 

Aquarell Maler Juist Studio Güst

Dein Lieblingsgeräusch auf der Insel?

Wenn die ersten Vögel früh am Morgen zwitschern – auf die nächtlichen Rufe der Austernfischer könnte ich allerdings gut verzichten, die sind ganz schön laut.

Deine schönste Begegnung auf der Insel?

Eines Tages kam eine kleine, etwas rundliche, ältere Dame zu mir in die Galerie und bat mich um eine kleine leere Leinwand. Der Wunsch hat mich etwas stutzig gemacht, aber ich habe ihn ihr sehr gerne erfüllt. Natürlich war ich neugierig und so kam es zu folgendem Gespräch:

Ich: „Wozu brauchen sie denn die Leinwand?“
Alte Dame: „Heute Abend habe ich einen Auftritt, leider sind einige Sachen noch in Norddeich in meinem Auto, da komme ich jetzt nicht ran.“
Ich: „Schön, wo treten sie denn heute auf?“
Sie: „Im Haus des Kurgastes.“
Ich: „Unmöglich – das kann nicht sein, dort tritt heute Ulla Meinecke auf. Ich habe schon Karten gekauft, denn diese Sängerin habe ich in den 70 er Jahren geliebt.“
Alte Dame: „So ein Zufall – ich bin Ulla Meinecke.“

Daraufhin haben wir beide gelacht und einen unvergesslichen Abend verbracht.

 

Aquarell Maler Juist Studio Güst

Welche Person würdest du gerne einmal auf die Insel einladen und warum?

Da fällt mir spontan Keno Veith ein, der schwatte Ostfriesen Jung, weil er so schön Platt schnacken diet – weil er so schön platt spricht. Das wäre bestimmt ein tolles Gespräch abends am Kneipentresen.

Anna auf Juist

Anna auf Juist

Anna lebt und liebt Juist. Als neu Insulanerin entdeckt sie mit dir die Geheimnisse der Nordseeinsel. Lasst euch mit ihr vom Töwerland verzaubern.

Kommentare

  • Hallo Anna,
    1960 kam ich das erste Mal mit meinen Eltern nach Juist. Man fuhr damals noch mit der Inselbahn und am Bahnhof wurde man von vielen Insulanern und Gästen mit großem Hallo empfangen: oh wie blaaaaß, oh wie blaaaaß! Danach kam man zum Inselfotografen, der eifrig alle Ankömmlinge fotografierte: Ei ei sieh da Rhenania, hat Ihr Bild schon in der Kamera! Das Bild konnte man sich am nächsten Tag abholen.
    Wir waren oft auf Juist, später kam ich mit meinem Kind und jetzt mit meinen Enkeln! Leider können wir uns Juist nicht jedes Jahr erlauben….. Aber dieses Jahr im Juli ist es wieder soweit und wir freuen uns schon riesig!
    Mit lieben Grüßen aus Wuppertal!
    Ortrud

    • Moin liebe Ortrud,

      du glaubst nicht, wie sehr ich mich freue solche wunderbaren Juist Geschichten zu lesen. Wie schön, dass ihr dieses Jahr wieder bei uns zu Gast seid. Zu gerne hätte ich auch mal die Rufe am Bahnhof gehört und die Inselfotografen bei der Arbeit beobachtet. Ich wünsche euch von ganzem Herzen einen herrlichen Urlaub und viele neue schöne Juist Erlebnisse.
      Herzliche Grüße aus Juist
      Anna

  • Hallo, im Mai war ich mit 3 Freundinnen auf Juist im Seemannstreu bei Heike. Morgen fahre ich wieder nach Juist und bringe eine 4.Besucherin mit. Juist gefällt mir sehr gut. Friedrich Fräsing möchte ich gerne treffen, und ihm beim Malen zuschauen. Ich male selbst hobbymäßig, habe eine Schwester in Altena, die hervorragend malt…..
    Also auf nach Juist juchuuuuu . Mei Name ist Brigitte und ich werde dich bestimmt finden.

    • Moin,

      auch wie schön! Ich hoffe, ihr hattet eine gute Zeit. Ich war leider eine Weile krank auf dem Festland, aber ihr kommt sicher wieder. Dann klappt es bestimmt. Liebe Grüße Anna

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